„Die Welt gehört dir – und der Rest deines Lebens beginnt.“
Es ist ihr (je nach Zählweise) ungefähr zwanzigstes Album und beweisen müssen
Die Ärzte niemandem mehr, dass sie die Beste Band der Welt sind.
Immerhin vier Jahre sind seit „Geräusch“ vergangen, dem letzten Studioalbum, das nach dem „White Album“-Prinzip funktionierte: ein schier überbordendes Doppelalbum, das drei eigenständige und -willige Songschreiber geprägt haben.
„Du bist immer dann am besten, wenns dir eigentlich egal ist.“
„Jazz
ist anders“ funktioniert anders. Puristischer. Gemeinsamer.
Triologischer. Selbstgemachter. Denn das war diesmal Band-Konsens: Die
Ärzte machen auf diesem Album am liebsten alles selbst. So gibt es
(nach dem 84er Debüt-Album „Debil“ zum zweiten Mal in der
Bandgeschichte überhaupt) keinen Produzenten (außer Die Ärzte) und für
die Fotosessions wurde der Selbstauslöser aus der Kiste gekramt.*
Drei
Monate lang hat sich die Band zusammen mit zwei bis drei hungrigen
Tontechnikern** im Tritonus-Studio eingesperrt und ein Album hingelegt,
das mit neu entdeckter Spielfreude und den Untugenden der Die Ärzte
aufwartet: Songs, deren unverkennbare Ohrwürmigkeit aus jener
Gratwanderung zwischen lässig präsentierter Geschmackssicherheit und
dem guten altenDie Ärzte-„Bad Taste“ herrührt, für die sie völlig zu
Recht berühmt und sowieso unerreicht sind.
Und sie lassen es
ordentlich krachen: „Elektrische Gitarren“ und „Lärm“ sind nicht
zufällig Schlüsselworte der ersten Singleauskopplung „Junge“.
Konterkariert wird das von einem (fast schon) minnesingenden Farin
Urlaub („Nur einen Kuss“), dem (diesmal lustigen) Vampir Bela B. oder
dem (vergleichsweise doppelten) Lovesong „Niedliches Liebeslied“ des
Rodrigo González.
„Und immer diese Texte – das will doch keiner hörn!“***
Auch bei Die Ärzte reimt sich ein „Schalala und Schalalu“ nur auf „Du“! Aber wer
Die
Ärzte kennt, wird sie vielleicht auch dafür lieben, wie sie auf „Jazz
ist anders“ wieder mit der deutschen Sprache umgehen: Da werden Reime
noch so liebevoll geschnitzt wie einst die Laubsägearbeiten der
Wirtschaftswundergeneration zum AndieWandhängen für die Ewigkeit. Oder
so. Auf einem Die Ärzte -Album findet man die kleinen Wahrheiten des
Lebens genauso wie die großen Fragen – Herz und Schmerz und „Gags” ”Us“
inklusive. (Und wer sonst könnte sich das irrsinnig ehrliche „Tu das
nicht“ trauen, ohne gesteinigt zu werden?)
„Du hast nur dies eine Leben, wenns vorbei ist, ists vorbei.“
Es gibt also ein neues Die Ärzte-Album. 16 (plus drei****) neue Songs.
Natürlich
in einer aufsehenerregenden***** Verpackung, deren unverschämt
„haptische Präsenz“im eigenen Regal den Besitzer adelt. Aber das ist ja
nicht wirklich etwas Neues. Denn Die Ärzte sind Die Ärzte sind Die
Ärzte. Nichts weniger als die Beste Band der Welt.
Klar.